Freitag, 27. Juni 2014

Noch viel schlimmer als gedacht: Glyphosat auch in Muttermilch

Bei Provieh e.V. habe ich einen erschreckenden Bericht gefunden - Glyphosat wurde ja bereits schon im Harn gefunden, nun auch in der Muttermilch - und das in einer 10x höheren Konzentration!!

Wer immer noch nicht von Bio-Lebensmitteln überzeugt ist, wird es vielleicht jetzt sein - bei der Bio-Landwirtschaft ist kein Glyphosat erlaubt.

Und hier der Bericht:
'Jetzt steht fest: Verantwortliche von Konzernen, Behörden und Politik haben uns massiv angelogen, wenn sie verantwortungslos das nachplapperten, was zum Beispiel der Monsanto-Wissenschaftler Dan Goldstein sagte: „Wenn Glyphosat aufgenommen wird, wird es schnell ausgeschieden, akkumuliert nicht im Körper und wird nicht verändert. Es wird unverändert mit dem Harn ausgeschieden.“ Soll heißen: Wir sollen uns bloß nicht so aufregen über etwas Glyphosat in der Nahrung.
Dass die Lüge ans Tageslicht kam, dafür hat am 7. April 2014 die Vereinigung Moms Across Americagesorgt, in der US-amerikanische Mütter gemeinsam mit Nichteregierungsorganisationen vehement gegen den Einsatz von Glyphosat und gegen den Anbau von Glyphosat-resistenten Ackerpflanzen kämpfen. Sie veranlassten Pilotstudien, die zeigten: US-amerikanische Muttermilch ist mit dem Totalherbizid Glyphosat in einer Konzentration belastet, die mit bis zu 166 μg/l zehnmal höher ist als im Harn von US-Bürgern (bis 18,8 μg/l), hundertmal höher als im Harn von Europäern (bis zu 1,8 μg/l) und 1600mal höher als bei uns im Trinkwasser erlaubt. Für Roggen, Weizen und Erbse sind in der EU höchstens 10 μg/kg erlaubt, für Gerste, Hafer, Soja und Sonnenblumenkerne sogar 20 μg/kg. Auch diese Höchstwerte werden von US-amerikanische Muttermilch in vielen Fällen locker überschritten. Nur der US-amerikanische Höchstwert von 700 μg/l in Nahrungsmitteln wurde unterschritten – weil auch die US-amerikanische Umweltschutzbehörde EPA (Environmental Protection Agenccy) zu den Opfern der Lüge gehört. Zur Maßeinheit: 1 μg = 1 Millionstel Gramm = 1 Mikrogramm.
Das Glyphosat und seine Waffe, die elektrische Polarisierung
Die Waffe des Glyphosats ist seine elektrische Polarisierung mit Plus- und Minuspol. Diese Polarisierung ist typisch auch für Enzyme, Hormone und Wuchsstoffe (alle in geringsten Mengen lebenswichtig), aber auch bei anderen Molekülen in Lebewesen. Sogar Wassermoleküle sind polar, und Ionen sowieso. Im Körper können die Polarisierungen vorübergehend blockiert werden – die Moleküle sind dann wirkungslos. Auf diese Weise können lebenswichtige Moleküle auf Vorrat gebildet und blockiert solange gespeichert werden, bis sie bei Bedarf durch Abbau der Blockade blitzschnell aktiviert werden.
Auch Glyphosat kann lebenswichtige Moleküle blockieren, aber dann dauerhaft. Deshalb ist Glyphosat so giftig. Es kann in den grünen Teilen einer Pflanze das Enzym EPSP-Synthase dauerhaft blockieren, so dass die Pflanze lebenswichtige Proteine, Vitamine und Abwehrstoffe nicht mehr herstellen kann und stirbt. Werden Stoffe, die mit Glyphosat blockiert sind, im Darm eines Menschen oder Tieres verdaut, wird das Glyphosat wieder freigesetzt und kann seine Giftwirkung erneut entfalten.
Vom Glyphosat zum Glyphosat-Vergiftungs-Syndrom (GVS)
In den Harn kann nur gelangen, was vorher im Blut war. Wer Glyphosat im Harn hat, hat es vorher im Blut gehabt. Damit ist bewiesen: Glyphosat kann die Schranke vom Darm zum Blutgefäßsystem und von dort zum harnbildenden Gewebe der Nieren überwinden. Wenn Glyphosat in Muttermilch vorkommt, muss es auch die Schranke zur Milchdrüse überwunden haben. Und wenn ein Liter Muttermilch zehnmal mehr Glyphosat als ein Liter Harn enthält, muss es vorher im Körper angereichert worden sein. Wenn Glyphosat das alles schafft, warum kann es dann nicht alle Schranken im Körper überwinden, zum Beispiel die vom Blutgefäßsystem ins Nervensystem oder – bei werdenden Müttern – ins Blutgefäßsystem des werdenden Kindes? Es scheint keine Stelle im Körper zu geben, an die Glyphosat nicht herankommen könnte, und wo es hinkommt, kann es Schaden anrichten. Da die Giftwirkung von Glyphosat zu sehr verschiedenen Krankheiten führen kann, wurde für sie die Sammelbezeichnung „Glyphosat-Vergiftungs-Syndrom“ geprägt (Lorenzen im Kritischen Agrarbericht 2013 auf Seite 229).
Opfer dieses Syndroms können auch Großstädter werden, die mit Landwirtschaft nichts zu tun haben, denn Glyphosat ist mittlerweile in vielen konventionellen Lebensmitteln enthalten, zum Beispiel in Milchprodukten, im Brot (das Backen schadet dem Glyphosat nicht), in Erbsen, Soja und in Sonnenblumenkernen, vor allem dann, wenn zur Ernteerleichterung (Sikkation) Glyphosat gespritzt wurde oder wenn die Pflanzen gentechnisch resistent gegen Glyphosat gemacht wurden, um Spritzungen auch in der Vegetationsphase zu ermöglichen. Im Ökolandbau gibt es diese Spritzungen nicht.
Zum Glyphosat-Vergiftungs-Syndrom gehören nach vorliegender Erkenntnislage Leber- und Nierenschäden, Eierstockkrebs, Brustkrebs, Lymphdrüsenkrebs, Magenkrebs, Prostatakrebs, Nervenschäden, Chromosomenschäden, Verringerung von Zahl und Qualität von Spermien, Unfruchtbarkeit von Mann und Frau und – während der Schwangerschaft – Missbildungen von Gehirn, Rückenmark und Skelett des Ungeborenen, das deshalb tot oder missgebildet geboren wird. Alle diese Schäden sind auch vom Vieh bekannt, sofern Glyphosat im Futter enthalten ist. Beim Menschen treten die Schäden vor allem in südamerikanischen Ländern auf, in denen viele Glyphosat-haltige Pestizide auf die riesigen, Glyphosat-resistenten Monokulturen von Soja gespritzt werden.
Wer sich für die vielen Krankheiten interessiert, die zum Glyphosat-Vergiftungs-Syndrom gehören, möge im Internet zum Beispiel die zusammenfassende, 50-seitige Darstellung der neuseeländischen Wissenschaftlerin Merial Watts aufrufen (erschienen im November 2009 in PAN AP = Pesticide Action Network Asia & The Pacific) oder die drei Jahre später (2012) erschienene Übersicht eines südamerikanischen Autorenteam um die Ärztin Silvia L. López (in Band 6 der Buchserie Advances in Molecular Toxicology).
Agrarindustrielle, Behördenvertreter und Politiker weisen die dargestellten Erkenntnisse gerne mit scheinheiligen, also unbrauchbaren Argumenten zurück. Die Datenlage sei nicht ausreichend, die Schlussfolgerungen nicht zwingend genug und so weiter. In diesen Chor mischte sich 2013 auch das deutsche Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) ein: Nach der Analyse von 2.000 wissenschaftlichen Studien ergebe sich, dass Pflanzenschutz mit Glyphosat unbedenklich sei. Und in ihrer Drucksache 17/14291 berichtet die Bundesregierung kühl, sie habe „bislang keine eigenen Untersuchungen zu der Belastung der deutschen Bevölkerung mit Glyphosat-Herbiziden beauftragt“, denn die bisher ermittelten „Rückstände stellen nach Einschätzung des BfR kein gesundheitliches Risiko für Verbraucherinnen und Verbraucher dar.“
Das BfR irrt. Das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BLV) geht verantwortungsvoller um und verbot im Mai 2014 die Sikkation mit Glyphosat. Nur ausnahmsweise unter bestimmten Bedingungen sei sie noch erlaubt – aber wer soll die vergiftete Ernte dann essen und sich vergiften? PROVIEH fordert, Sikkation mit Glyphosat vollständig zu verbieten.'

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen

Kostenlose Homepage